Steuerbord zehn

Meine Erlebnissen als sechzehnjähriger in den sechziger Jahren auf hoher See.


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Als ich 1962 mit sechzehn Jahren in Rotterdam auf dem Schweizerschiff Sunadele anmusterte, war die Welt geprägt von einer heissen Phase des kalten Krieges. So erlebte ich beim Kreuzen Kubas hautnah die brandgefährliche Situation des Embargos durch die USA.

Ich erlebte in den vier Jahren spannende und höchst emotionale Momente. Die Ermordung John F. Kennedys, der Panama Flaggenstreit mit vielen Toten und Verletzten. Stürme, traumhafte Inseln, ein Meer voller Quallen, spielende Delfine. Flusspiraten und hübsche Mädchen. Viele interessante Häfen in Europa, Westafrika, Nord- und Südamerika.

Das Buch ist kein histografisches Werk, ich schildere aus der Erinnerung meine Erlebnisse, die gut fünfzig Jahre zurückliegen. Der Grobraster entspricht der Realität, es sind kleinere Details, gesprochene Sätze, Namen oder sonstige Kleinigkeiten, die ich dazu erfand, um der Geschichte ein persönlicheres Gesicht zu geben. Das soll aber dem Geschehen von damals keinen Abbruch tun.

Ich war gerade mal sechzehn Jahren alt, als ich mich anfangs der frühen sechziger Jahre entschloss, zur See zu fahren. Die Seefahrt von damals ist mit der heutigen Seefahrt kaum vergleichbar. In einer Zeit, die noch stark geprägt vom Krieg und vor allem vom kalten Krieg war, gab sie nicht nur der Welt, sondern besonders auch der Schifffahrt ein eigenes Gesicht. Die Spannungen zwischen Ost und West wirkten sich natürlich auch sehr stark im Austausch und Handel der Güter aus.
Es war eine Zeit, in der die Südstaaten der USA noch stark von ihrem absurden Rassismus und der nicht weniger absurden McCarthy-Ära gezeichnet waren. Eine Zeit ohne Container, die die Seeleute von heute ihre Seefahrt praktisch nur auf hoher See erleben lässt. Gab es doch in den Sechzigerjahren oft noch Liegezeiten von mehreren Tagen. Diese ermöglichten den Seeleuten den Aufenthalt an Land und viele Stunden mit hübschen Mädchen zu verbringen. Eine Zeit, bei der auf Schweizerschiffen mehrheitlich Schweizer fuhren. Eine Zeit, in der AIDS noch keine und Drogen nur eine kleine Rolle spielten, ausgenommen natürlich die Droge Alkohol. Eine Zeit, in der junge Menschen kaum eine andere Chance hatten, die weite Welt zu bereisen, ausser auf einem Schiff, sei es als Maschinist oder Matrose auf Deck.
Mich selber prägte diese Zeit extrem, natürlich ist die Prägung im Alter von sechzehn bis zwanzig Jahren besonders stark. Die Seefahrt half mir, die Welt mit anderen Augen zu sehen, sie zeigte mir ihre unbeschreibliche Schönheit, aber genauso unbeschreibliches Elend. Ich erlebte, wie wichtig freier Handel und Wettbewerb ist, aber auch wie einzelne Firmen Menschen ganzer Länder ausbeuten und unterdrücken. Wie ein Land, das praktisch in allen westlichen Ländern als das Vorbild für fast alles galt, seine Macht mit einer nicht zu überbietenden Schamlosigkeit ausnützte – die USA. Meine Zeit zur See liegt nun über fünfzig Jahre zurück, aber ich erinnere mich immer wieder an sie und möchte sie auf keinen Fall missen.